Etappe 2
Bessenay nach Val de Virieu (F)
Unsere Strecke von Bessenay nach Val de Virieu war nur 150 Kilometer – das klingt nach einem Spaziergang. Für den Anfang unserer Reise war das genau die richtige Länge für den zweiten Tag. Kurze Strecke, große Freude! Denn wir landeten wieder an einem wundervollen Ort: einem Hof in Val de Virieu. Im Hofladen ergatterten wir frisches Entrecôte, das wir für den nächsten Tag geplant hatten.
Verona hatte ihre Freude am Weiher, der deutlich sauberer war als der gestrige. Endlich kein Schlamm- und Matsch-Desaster! Ich habe ebenfalls ein Bad in diesem Weiher genossen. Und dann entdeckten wir in einer Baracke sogar ein funktionierendes WC und eine Dusche – versteckt hinter allerlei Zeugs, Müll und Spinnweben. Aber mal ehrlich: Bei solchen Plätzen sollte man sowieso autark campen. Alles, was zusätzlich vorhanden ist, ist ein nettes Extra – ein bisschen Luxus, den man sich gönnen darf. Und ein Klo, auch wenn es spinnennetzverziert ist, ist immer noch besser als das Klo im Van. Ihr versteht, warum.
Unsere Nachbarn? Hängebauchschweine! Die machten Geräusche, die ich vorher noch nie gehört hatte. Wirklich, das war ein Soundtrack, den man nicht im Radio findet. Was wir nicht wussten: Wo Hängebauchschweine sind, sind auch Fliegen. Und wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, dann fliegen Fliegen, Fliegen nach. Ein echtes Fliegen-Chaos!
Da es so heiss war, wollte ich natürlich das Büssli durchlüften. Ein Anfängerfehler, würde ich sagen. Zu Hause hätte ich noch einen Insektenschutzvorhang gehabt, samt Magnete, um den perfekt zu befestigen. Aber wie das Leben so spielt, überrascht es einen manchmal mit unvorhergesehenen Situationen. Statt die Magnete (welche ich wohlverstanden per Express bestellt habe) ins Fliegengitter zu nähen, entschied ich mich, dem Leben zu folgen. Tja, das hatte ich nun davon.
Die Fliegen waren ziemlich hartnäckige Gäste – schwer aus dem Bus zu vertreiben. Ich muss wohl nicht erzählen, dass sie uns nicht nur nachts, sondern auch auf dem Weg nach Vic la Gardiole begleitet haben. Ein echtes Fliegen-Revival!
Aber trotz all der Brumm- und Summ-Geräusche im Büssli – nach einem guten, einfachen Essen und ein oder zwei Gläschen Rotwein haben wir trotzdem gut geschlafen. Und am nächsten Morgen? Ich konnte es kaum erwarten, eine warme Dusche zu nehmen und meine Haare zu waschen. Endlich fliessendes Wasser und das Gefühl, wieder ganz sauber zu sein.
Und was soll ich sagen? Die Dusche war ja ebenfalls verspinnpuppelt. Nach langem, mühsamen Entfernen der Spinnweben– war ich voller Vorfreude auf eine erfrischende Dusche. Doch kaum stand ich unter dem Wasserstrahl, wurde ich mit eiskaltem Wasser begrüßt. Tja, das Leben ist manchmal ganz schön unfair. Aber gut, was tut man nicht alles für eine saubere Haut.
Danach war ich startklar für die nächst Etappe!