Das Badezimmerkästli
eine Reise durch Kleber, Schrauben und Camper Weisheiten
Als ich meinen Camper das erste Mal inspizierte, gab es so einiges, was einer radikalen Ausmistaktion zum Opfer fiel. Darunter auch ein höchst fragwürdiges Gestell neben der Toilette. Die Funktion? Offenbar eine Ablage für benutztes Toilettenpapier! WÄÄÄÄH! Wer denkt sich denn sowas aus? Ich jedenfalls nicht. Denn wozu gibt es schließlich diese wunderbaren chemischen Zaubermittel, die alles, was den menschlichen Körper verlässt, in eine geruchslose, mystische Flüssigkeit verwandeln – inklusive Klopapier? Eben! Also weg mit dem Ding!
Doch während das eine Problem beseitigt war, tat sich ein neues auf: Wohin mit Zahnbürsteli, Cremeli und all den anderen kleinen Helferlein, die mein Badezimmerleben erleichtern? Ich brauche ja nicht viel, immerhin habe ich Haare, die nach jeder noch so ambitionierten Styling-Aktion beschließen, ihre eigene, chaotische Route zu gehen. Da macht es wenig Sinn, im Sommer aufwendige Schönheitsrituale durchzuziehen. Die Locken dürfen sich also frei entfalten – quasi ein Camping-freundlicher „Natural Look“.
Zurück zur Stauraumfrage. Die Lösung fand ich im Internet mit dem großen T am Anfang und dem U am Ende: ein federleichtes kleines Badezimmerkästli. Perfekt! Passte genau in die kleine Nische mit Waschbecken und WC. Und das Beste: Die Montage klang wie ein Kinderspiel! Klebeband an die Wand, andrücken, fertig. In Gedanken klopfte ich mir bereits auf die Schulter – nur um beim nächsten Camper-Besuch mein hübsches Kästli am Boden liegend wiederzufinden. Überraschung!
Ich lachte herzlich über mein eigenes Vertrauen in Klebeband und packte mein Werkzeug aus. Doch die Schrauberei sollte eine ungeahnte Wendung nehmen. Beim Versuch, den Aufsatz für den Elektroschrauber einzusetzen, stellte sich das Ding als extrem widerspenstig heraus. Zum Glück tauchte genau in diesem Moment ein älterer Herr auf – ein erfahrener Camper, wie er mir stolz erzählte. Mit seiner Frau sei er ständig unterwegs, und bald würden sie während einer Wohnungsrenovierung sogar für längere Zeit im Camper leben. Klingt nach Expertise!
Ich bat ihn also um Hilfe. Er nahm den Aufsatz, drehte und wendete ihn mit der gleichen Verzweiflung wie ich. „Das muss doch gehen!“, murmelte er wiederholt und werkelte unermüdlich weiter. Ich hatte die Geduld längst verloren, doch er wollte mir unbedingt beweisen, dass er es hinkriegt. Nach gefühlten 30 Minuten kapitulierte er schließlich. Ich übernahm erneut – und siehe da: Wie durch ein Wunder funktionierte es plötzlich!
Nun konnte ich mein Badezimmerkästli endlich richtig befestigen – mit vier soliden Schrauben. Seitdem hat es mehrere kleine Fahrten überlebt und hängt noch immer bombenfest.
Was habe ich gelernt? Doppelt hält besser! Klebeband UND Schrauben – eine Kombination, die selbst holprige Campingstraßen übersteht.
Ach, und falls ihr euch fragt: Mein magnetisches Silvy-Geschirr mit aufgeklebten Platten? Das hält nach wie vor. Vielleicht hätte ich das Kästli auch einfach magnetisch befestigen sollen…
Happy Camping und immer schön alles festschrauben!