Erste Nacht im Van

 
Eigentlich dachte ich, ich wäre zu müde oder meine Finger einfach zu klamm, um noch einen klaren Gedanken zu fassen. Aber dieser Tag – dieser Tag muss festgehalten werden. 
Meine Feuertaufe als Camperin ist noch nicht ganz bestanden. Bevor ich mich offiziell in den Kreis der Vanlife-Profis aufnehmen lasse, muss ich erst noch die Nacht überstehen. Und nicht nur überstehen, sondern tatsächlich auch schlafen. 
Gestern hatte ich einen dieser spontanen Anfälle von Abenteuerlust. Also packte ich kurzerhand meine sieben Sachen – inklusive Verona, meiner vierbeinigen Reisebegleiterin – und fuhr auf den TCS Camping "Uf der Holle" in Hochwald, um meinen Van auf Herz und Nieren zu testen. Ich wusste bereits: Fließend Wasser? Fehlanzeige. Heizung? Fraglich. Toilette? Nun ja, sagen wir mal, da gab es verschiedene Meinungen. Ein Kollege von Heinz meinte: „Nein, nein, da geht kein Wasser rein.“ Aber hey, wozu gibt es Online-Tutorials? Ich habe mir das Ganze angeschaut, das System durchschaut und – tadaaa – es funktionierte! Auch ohne Sicherung. 
Angekommen in Hochwald, fand ich leider nicht den erhofften betonierten Stellplatz vor – der war schon besetzt. Stattdessen blieb für mich nur ein Matschplatz. Na wunderbar. Herausforderungen stärken ja bekanntlich den Charakter, aber mein Charakter war nach den ersten Schritten mit bereits 1,5 cm Matsch an den Schuhen durchaus ausreichend gestärkt. Verona? Sagen wir es so: Ein schwarzer, durchnässter Teppich mit vier Beinen – so sah sie nach wenigen Minuten aus. Aber gut, wir waren ja für das Abenteuer hier. 
Nachdem wir uns einmal durch den Matsch gekämpft hatten, erkundeten wir die Umgebung. Und die war – trotz des suboptimalen Bodenbelags – wirklich wunderschön. Weite Wiesen, ein Wald mit magisch wirkendem Nebel, und in der Ferne leuchteten tatsächlich noch schneebedeckte Hügel. Ein Anblick, der fast vergessen ließ, dass meine Füße langsam aber sicher zu Eisklötzen wurden. 
Zurück am Van richtete ich erst einmal mein Lager ein. Ich breitete eine Plane aus, um wenigstens eine kleine matschfreie Zone zu haben. Danach wechselte ich aus meinen mittlerweile erdfarbenen Schuhen in meine rosaroten Schlappen – ein Geschenk von Edi. Diese Dinger sind nicht nur bequem, sondern haben sentimentalen Wert. Männer zeigen ihre Liebe eben in Taten, nicht in Worten – und diese Schlappen sind für mich das lebendige Symbol dafür. 
Nachmittags machten Verona und ich ein kleines Nickerchen, wobei „Nickerchen“ eine sehr wohlwollende Umschreibung für „im Bett liegen und frieren“ ist. Verona hatte es sich erst auf der Sitzbank bequem gemacht, dann aber beschlossen, dass 80 cm Bettbreite für uns beide doch kuscheliger sind. Platztechnisch eine Herausforderung, aber hey, wenn ein Hund mit dir kuscheln will, sagst du nicht nein. 
Nachdem wir genug gekuschelt hatten, machte ich mir einen Instant-Kaffee (Stilvoll geht anders, aber es war heiß!) und wagte mich wieder nach draußen. Da es immer noch bitterkalt war, testete ich meinen Elektroheizlüfter. Funktioniert! Ein kleiner Lichtblick. Ich nutzte die Gelegenheit, um ein paar Anrufe zu erledigen – erst beim Campingplatz Binder, um die Heizung und das Wasser-Problem vor Mitte Dezember zu lösen, dann bei la mamma, um ihr meine Camping-Abenteuer haarklein zu schildern. 
Zum Abendessen gönnte ich mir ein Glas Wein – oder zwei – und ließ den Tag in meinem kleinen Outdoor-Klappstuhl ausklingen. Verona schnarchte mir gegenüber auf der Bank vor sich hin, während ich noch einen letzten Kaffee trank. Die Nacht versprach… nun ja, eine Herausforderung zu werden. Ich entschied mich, in voller Montur zu schlafen, eingepackt in Schlafsack, Decke und noch eine Decke. Modisch fragwürdig, aber praktisch. 
Am nächsten Morgen – nach einer Nacht mit sehr überschaubarer Schlafqualität – wurde ich mit der wunderschönen Stille der Natur geweckt. Die Luft war eiskalt, aber frisch, und ich fühlte mich trotz allem irgendwie… glücklich. Ich putzte mir die Zähne, kochte mir einen weiteren Instant-Kaffee (muss dringend an meiner Camping-Kaffee-Strategie arbeiten!) und machte mit Verona eine letzte Runde durch die winterliche Landschaft. Dann hieß es zusammenpacken und zurückfahren – mit einem Kopf voller Erfahrungen und einem Herz voller Vorfreude auf das nächste Abenteuer. 
Eins ist sicher: Im Sommer wird das alles ganz anders. Dann wohnt man draußen, kocht unter freiem Himmel und schläft nur im Van. Bis dahin bleibt es ein Abenteuer. Eines, das ich trotz allem jetzt schon liebe.