Ein Traum auf Rädern: Mein Abenteuer mit dem Büssli
Es begann mit einem unerwarteten Anruf. Heinz, der beste Freund meines verstorbenen Mannes, rief vor ein paar Wochen an und sprach den zweiten Satz nach der Begrüßung: „Ich habe hier ein Büssli für dich.“
Ein Büssli? Natürlich wollte ich eins haben. Doch mein Kopf meldete sich sofort mit Einwänden: zu teuer, kein Platz zum Parken und so weiter. Aber dieses Büssli war anders. Es schien, als hätte das Schicksal es für mich bestimmt. 23 Jahre alt, nur 55.000 Kilometer auf dem Tacho und – zu meiner Überraschung – finanzierbar. Meine Mutter war so begeistert von der Idee, dass sie mir sofort das Geld vorstreckte. Ja, Mütter bleiben Mütter, auch wenn die Tochter 62 Jahre alt ist, zwei Kinder und vier Enkel hat.
Von der ersten Besichtigung bis zum Fahrzeugausweis auf meinen Namen vergingen nur vier Tage. Das Büssli fühlte sich schon jetzt wie ein Geschenk des Lebens an.
Der Start: Ausräumen, planen und verschönern
Noch darf das Büssli bis Ende Januar in der Garage des Vorbesitzers stehen, was mir Zeit gibt, mich auf das Abenteuer vorzubereiten. Am Tag nach dem Kauf begann ich mit dem Ausräumen. Die Schränke waren noch gefüllt mit den persönlichen Dingen des Vorbesitzers. Es war ein eigenartiges Gefühl, durch diese Sachen zu gehen – eine Mischung aus Neugier und Respekt. Ich sortierte alles, behielt das Brauchbare und verabschiedete mich vom Rest.
Dann startete ich mit der Verschönerung. Die grünen Sitzpolster, die mir nicht gefielen, bekamen neue Überzüge. Dicke, graue Vorhänge, die das Führerhaus vom Wohnbereich trennten, wichen leichten, hellen Stoffen. Der Unterschied war verblüffend – plötzlich strahlte der Van eine ganz neue Wärme aus.
Die nächste Herausforderung: Ordnung schaffen. Es braucht eine Strategie, damit ich alles Wichtige immer griffbereit habe – von der „Hardware“ des Campers bis hin zur persönlichen „Software“. Ich werde eine Liste anlegen, die genau dokumentiert, wo sich was befindet.
Energie, die das Herz bewegt
Mit jedem kleinen Schritt fühlte ich, wie neue Energie in mir aufstieg. Dieser Traum, den Edi und ich uns gemeinsam erfüllen wollten, schien plötzlich greifbar – auch wenn ich ihn nun alleine lebe. Oder besser gesagt: nicht ganz alleine. Meine treue Verona, meine Mutter und viele Freunde werden mich begleiten.
Kurz nach dem Kauf bot ein Freund an, mit mir die erste Fahrt zu machen. Aufgeregt, aber voller Vorfreude stieg ich ein – zunächst nur als Beifahrerin. Er fuhr den Van aus der Garage und zur nächsten Tankstelle. Erst später wagte ich es selbst ans Steuer. Wir besuchten meine Mutter, und ich war stolz wie nie. Das Büssli ließ sich wunderbar fahren, und Verona schien es genauso zu lieben wie ich.
Der Beginn eines neuen Kapitels
Mit jedem Kilometer, den ich mit dem Büssli zurücklege, wird die Vision klarer: Ich bin bereit, dieses Abenteuer, ein neues Abenteuer - genannt LEBEN, zu leben. Es wird nicht nur ein Camper, sondern ein treuer Begleiter für Erlebnisse mit Freunden und Familie. Vielleicht auch ein Ort, an dem ich Kraft tanken kann, während das Leben neue Geschichten für mich schreibt.
Dieses Büssli ist mehr als nur ein Fahrzeug – es ist ein Stück Freiheit, ein Symbol für Neuanfang und der Beweis, dass Träume in jedem Alter Wirklichkeit werden können. Ich freue mich auf alles, was kommt – auf die Reisen, die Menschen, die Orte. Und darauf, jeden Tag ein bisschen mehr mit meinem Büssli, und vorallem mit mir selbst zu wachsen und glücklich zu sein.